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Von sechsen, die auszogen, ihre Heimat zu entdecken

kontakt33667
vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit

"Mama, schlafen wir morgen wirklich in einem Schloss?“, fragte mich Talvi gestern Abend beim Packen. „Ja“, antwortete ich lächelnd und konnte es selbst kaum glauben. Wie cool ist das bitte? Diese Vorfreude ließ die Gedanken an das bevorstehende Wetter verblassen.


Thora hatte eine durchwachsene Nacht und sorgte für ein ordentliches Schlafdefizit meinerseits. So kam ich nicht ganz pünktlich und leicht gerädert aus dem Bett. Nützte alles nichts, wir wollten heute nicht erst mittags losfahren. Die ersten Taschen waren gepackt, als auch aus den anderen Zimmern kleine Menschlein tappten. Zum Frühstück gab’s Waffeln und alles, was von unserem Proviant noch übrig geblieben war. Die ersten drei Tage konnten wir gut abdecken, aber bis auf ein paar Snacktüten war nun alles aufgebraucht. Gut, dass bei unserem nächsten Ziel für die Versorgung gesorgt war. Auch für Billy war das von Vorteil – jeden Tag ein bisschen weniger Ballast auf der Kutsche. Für mich ebenfalls, denn das Kochen überließ ich nun anderen.


Nach einem letzten Kontrollgang durch die Wohnung ging’s raus. Pferde holen, alles wieder verstauen und los. „Fast pünktlich“ (1 h später als geplant) und noch trocken fuhren wir los. Erfreulicherweise war es nicht so kalt wie ursprünglich vorhergesagt und Thora ließ sich überzeugen, mit in „die Höhle“ zu kommen.


Die ersten Kilometer fuhren wir auf guten Wegen durch den Wald. Entlang der Strecke gab es beschauliche Rastplätze und auch eine wirklich schön angelegte Kneippanlage. Für mehr Ausblick reichten die heutigen Sichtverhältnisse nicht aus.


Nach dem ersten Anstieg ging es bis zum Kilianshof entspannt weiter. Im Wald verpassten wir dann eine Abzweigung und landeten etwas früher als geplant auf der Bundesstraße Richtung Bischofsheim.


Für Billy und Teddy bei dem Wetter sicher der bessere Untergrund. Für mich aufgrund des Verkehrs der stressigere Streckenabschnitt. Zweimal war’s ganz schön knapp, als wir trotz Gegenverkehr von Autos überholt wurden. Auch Thora verkündete lauthals ihren Unmut und läutete eine Zwangspause ein. Auf der anderen Seite war’s längst Zeit für eine Pipipause. Der Kaffeekonsum war heute erhöht – sorgte das schwarze Gold schließlich für warme Hände und wurde deshalb inflationär verbraucht.

Also fuhren wir kurz vor Bischofsheim in eine Seitenstraße und erfüllten genannte Bedürfnisse.


Lange hielten wir uns nicht auf und fuhren kurz drauf in das Städtchen ein. Die zeitgleich angekommenen Schulkinder hatten sichtlich Spaß, ein Stück mit uns zu laufen, und auch ein junger Mann an der Straße hielt im Vorbeifahren ein kurzes Schwätzchen. Thora stellte kurz nach ihrem Umstieg von der Höhle auf den Beifahrersitz fest, dass es „draußen“ ungemütlich ist, meldete einen erneuten Umzug an und willigte in mein Angebot ein, für die letzten Kilometer die Maus und den Elefanten zu gucken.

Grundsätzlich bin ich nicht für derartige Beschäftigungstherapien, bei dem Wetter war das aber ein tragbarer Kompromiss.


So ging’s nun – mittlerweile gut durchnässt – die letzten 300 Höhenmeter Richtung Ziel und mir kam der Gedanke, dass es sinnvoller gewesen wäre, den Kaffee in der Kanne durch Glühwein zu ersetzen.


Es folgten noch ein, zwei Aufreger aufgrund von diversen Überholvorgängen und dann hatten wir es tatsächlich geschafft. Das Schild Richtung Jagdschloss war in Sicht. Ob es hier noch vorkommt, dass Gäste traditionell mit der Kutsche vovorfahren?

Der bestellte Schwiegerpapa reihte sich mit Auto und Koppelzeug ebenfalls in unseren kleinen Konvoi ein und ich war froh, am Ziel angekommen zu sein.


Mir war kalt. Aber so richtig. Jetzt schnell abspannen, dachte ich, raus aus den Klamotten, rein in die warme Stube. Es gab nur ein kleines Problem: Das Schloss war zu. Denn es war „halb drei“ und der Check-in erst ab 16 Uhr möglich.

Für das nachfolgende Gefühl finde ich nicht die richtigen Worte, man könnte es aber auch schlicht als Katastrophe beschreiben.

Wobei, ganz so schlimm war’s nicht, denn auch diesmal sollten wir Glück haben. Während die Männer die Koppel bauten, fuhr ein Auto auf den Hof und ein älterer Herr stellte einen Hänger vor der Scheune ab. Schnellen Schrittes lief ich hin und fragte, ob wir unsere Kutsche bis morgen früh hier unterstellen könnten. Zu meiner großen Erleichterung war das kein Problem und Platz war auch genug. Danke, liebes Universum! Hier in der Scheune ließ es sich aushalten, bis wir ins Schloss konnten. Es ist ein wunderschönes Anwesen und ein wirklich märchenhaftes Fleckchen Erde.


Wenig später und noch weit vor 16 Uhr kam eine junge Frau auf uns zu mit einem Schlüssel in der Hand. Ich zündete ein inneres Feuerwerk! Dankend nahmen wir die Einladung an, jetzt schon auf unsere Zimmer zu gehen. Billy und Teddy waren längst im wohlverdienten Feierabend angekommen, sodass ich keine Zeit verstreichen ließ und es ihnen drinnen gleichtat. Pünktlich um 16 Uhr saßen wir dann im Türmchen bei einer Tasse Milchkaffee – es war ein Fest. Pure Freude und Dankbarkeit für diesen Moment.


Das Personal ist superfreundlich und zuvorkommend. Schon die Buchung verlief unkompliziert, trotz Pferd und Hund. Wie schön, dass es Menschen gibt, die sich eines solchen Ortes annehmen und somit anderen wie uns dieses Erlebnis ermöglichen. Das Jagdschloss als Hotel mit Gasthof gibt es schon seit 1954. Auch hier gibt’s eine klare Empfehlung von uns!

Dem Kaffee folgte wenig später das Abendessen, was allen schmeckte. Nur eine schaffte es nicht bis zum Hauptgang: Thora schlief auf dem Arm ein und holte den viel zu kurzen Mittagsschlaf nach.


Auch wir waren bettschwer und verabschiedeten uns nach dem Essen aufs Zimmer. Nach ’ner Runde Uno ging’s ab ins Bett. Zeit, um euch diese Zeilen zu schreiben.


Mein heutiges Fazit:

Erkundet eure Heimat, sie ist jede Reise wert! Probiert was Neues aus! Lasst euch öfter auf ein Abenteuer ein, traut euch, Zweifel und Angst zu überwinden und Pläne in Taten zu verwandeln. König und Königin für eine Nacht – heute machen wir aus Märchen Wirklichkeit.







 
 
 

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